JazzKolumne | Von Jazzern, Fans und Obercheckern

Gelsenkirchen, 4.12.2012 | Wer stirbt zuerst aus? Der Jazzmusiker oder sein Publikum? Darf echter Jazz kommerziell sein oder ist er nur gut, wenn er frei von Gedanken an den schnöden Mammon ist? Ist Jazz eine Sache des Kopfes oder welche Körperteile dürfen noch mitmachen?

Fragen über Fragen, mit denen sich in Zukunft unser neuer Kolumnist Paul Jazzkowski auf unserem Jazzportal stellen wird. Wir entdeckten ihn grimmig drein schauend mit dem Fuß wippend in einer dunklen Ecke in einem Jazzclub im südöstlichen Ruhrgebiet. Seit Jahren sei er dabei, habe selber lange Musik gemacht, bis immer mehr Akademiker in die Szene einsickerten. Nach und nach sank sein Selbstbewußtsein als Bauchjazzer, wie er sich selber nennt, und irgendwann versenkte er sein Saxophon erst im Keller und dann in der Emscher bei Castrop-Rauxel.

Wir haben lange mit ihm an diesem Abend gesprochen und ihn schließlich überzeugt, dass er seine Gedanken zum Jazz doch bei uns auf der Website als Blog veröffentlichen könnte. Von Blog hätte er keine Ahnung, aber er könnte es ja mal mit einer Kolumne versuchen, meinte er schließlich und mal was schreiben. Frei nach dem Zitat von Frank Zappa: "Der Jazz ist nicht tot, er riecht nur ein wenig muffig".

Am meisten würde er sich natürlich, wie er uns verschämt aber vertraulich mitteilte, schon darüber freuen, wenn man sich über seine Beiträge ordentlich aufregen würde, denn er rege sich gerne auf wenn es um Jazz geht - sehr gerne sogar. An diesem Abend wetterte er z.B. über Musiker die in jungen Jahren schon an Demenz leiden, Veranstalter, die meinen Musiker wären zum Ausbeuten da oder ihre Veranstaltungen bräuchten Keinen zu interessieren, über Jazzmanager und musiker die täglich drei Rollen Zewa vollheulten, weil sie ihre Platten, die sie sich selber nicht anhören würden, nicht loswerden, Festivaldespoten, die mit Journalisten umspringen, als wären es Leibeigene und sich dennoch aufregen wenn sie von den Medien geschnitten werden und ja, apropro Medien, über die natürlich am meisten, weil sie statt Jazz nur noch Einwegmusik verbreiten, vor lauter Angst, dass ihnen die von ihnen selbst geschaffenen anspruchs- und niveaulosen Hörer davonlaufen.

Wir sind sehr gespannt, was Paul uns alles so an Beiträgen liefern wird.

Die Redaktion