CD-Rezension

Joyce van de Pol & Trio |

Speak Low

Text & Fotos: Stefan Pieper

Marl, 09.03.2017 | Eine von vielen Quellen, aus denen Jazz sich nährt, sind gute Songs. Solche leben mit viel Wärme und Tiefe auf, wenn die indonesisch-deutsche Sängerin Joyce van de Pol auf ihrem neuen Album „Speak Low“ eine geschmeidige Band-Chemie bildet. Geboren 1981 in Karlsruhe, studierte Joyce van de Pol Gesang an der Essener Folkwang-Hochschule. An der Folkwang lehrt auch der Pianist Thomas Hufschmidt, der für die vielbeschäftigte Sängerin ein maßgeschneidertes Trio zusammen gestellt hat.

Schon beim wirkungsvollen Opener, Dizzy Gillespies „A Night in Tunesia“? zeigt sich, dass hier sämtliche Fallen souverän umgangen werden, die beim Interpretieren sehr bekannter Standards schnell lauern. So lebt hier etwa die „ewige“ Bebop-Hymne in einer extrem frisch anmutenden Vocal-Version auf. Ähnlich charismatisch vollführen Joyce van de Pol und ihr Trio eine subtile Gratwanderung zwischen Rockballade und Jazzidiomatik George Harrisons „While my guitar gently weeps“.

Souverän spannt sich der Bogen weiter über das kurzweilige Titelstück „Speak Low“ aus der Feder von Kurt Weill und Ogdon Nash oder die coole Chaka-Khan-Ballade „Through the Fire“ ebenso wie viele weitere Hommagen an große Songwriter und Musiker, die im 20. Jahrhundert, dem Century of Song unterwegs waren. Auf guter Augenhöhe damit liegen die Eigenkreationen der hier versammelten Essener Musiker – allem voran eine quirlige Uptempo-Nummer namens „It`s about time“ von Thomas Hufschmidt und Joyce van de Pol, bei welcher der Flügelhornspieler Ryan Carniaux prominente Unterstützung leistet.

Das alles funktioniert so gut, weil hier individuelle Qualitäten stimmig ineinander greifen. Joyce van de Pols Gesang legt stilsicher und wunderbar beweglich phrasierend eine eigene Note zwischen Soul und Smooth Jazz an den Tag. Zu hundert Prozent Verlass ist auf Thomas Hufschmidts Geschichtenerzählkunst auf E-Piano und Flügel, derweil das vitale Schlagzeugspiel von Andre Spajic und Bassist Wilfried Böcker als sichere Bank fungieren. Eine zusätzliche Bereicherung sind Maika Küster und Sophie Hufschmidt als Background-Sängerinnen.

CD

Joyce van de Pol & Trio

„Speak low“

A1 Records 2016