Human Feel |

Avantgarde Jazz trifft auf Rockriffs

Text & Fotos: Uwe Bräutigam

Köln, 06.12.2017 | Seit 1990 besteht die Band Human Feel in dieser Besetzung: Jim Black - Schlagzeug, Sampler, Kurt Rosenwinkel – Gitarre, Chris Speed – Tenorsaxophon und Andrew D‘Angelo – Altsaxophon. Vier Musiker, die zu den Innovatoren der Brooklyn Jazz und Avantgarde Szene gehören. Auch in Europa und besonders in Deutschland werden die Musiker sehr geschätzt. Kurt Rosenwinkel hatte bis 2016 eine Professur am Berliner Jazz-Institut inne und Jim Black spielte auch im Robert Landfermann Quintett. Nach langer Pause spielen treten die Musiker wieder auf und sind auf Europatour. Der Stadtgarten in Köln ist nahezu ausverkauft und die halbe Kölner Jazzszene ist im Publikum zu finden.

Die vier Musiker kommen auf die Bühne und noch ehe sie ihre Plätze eingenommen haben spielen Chris Speed und Andrew D´Angelo mit ihren Saxophonen Unisono los. Dann verschränkt sich ihr Spiel miteinander. Rosenwinkels spielt auf der Gitarre ein markantes Riff und die Saxophone greifen es auf oder spielen es mit ihm zusammen.

Das zweite Stück beginnt mit einem Duo von D`Angelo am Altsaxophon und Rosenwinkel mit halliger Gitarre. Dann setzt auch das Tenorsaxophon wieder ein und Jim Black spielt mit Bambusbesen.

Nach dem kammermusikalischen Einstieg nimmt das Stück dann langsam Fahrt auf.

Im dritten Stück spielen Jim Black und Kurt Rosenwinkel ein langes spannendes Duo, dann kommen die Saxophone dazu, Gitarre und Schlagzeug ziehen sich zurück und es entsteht ein Saxophon Duo. Die Stücke gehen immer wieder von wildem Free Jazz zu rockigen Rhythmen über, um dann in einen kammermusikalischen Part zu münden oder umgekehrt. Manchmal sind es organische Übergänge und manchmal macht die Band harte Schnitte. Immer wieder entstehen unvorhersehbare Klänge, die aber genau an diese Stelle des Stücks passen. Aus einer langen Tenor Improvisation geht es in ein ruhiges Duo von Gitarre und Schlagzeug über, dann folgt ein harter Wechsel zu einem rockigen Rhythmus der von allen Instrumenten getragen wird.

Jim Blake spielt neben dem Schlagzeug auch an der Elektronik. Mit Rosenwinkel entwickelt Blake ein Duo von Elektronik und Gitarre, das sehr spacy klingt. Dann kommen die Saxophone hinzu und verstärken diesen Klangteppich noch und so klingt das Stück mit einem sphärischen Sound aus. In einem anderen Stück spielen die beiden Saxophonisten rasend schnelle Läufe, die Rosenwinkel auf der Gitarre ebenso schnell begleitet, dann ein plötzlicher Break, ein ruhiges Zwischenspiel und die wilde Jagd beginnt von neuem. Im letzten Stück spielen Jim Black und Kurt Rosenwinkel ein langes Schlagzeug Gitarren Duo, in dem beide Musiker ihre Improvisationsfähigkeiten bündeln.

Human Feel sind eine Band, die einen enorm dichten Sound hat und blind zusammenspielt.

Der Wechsel von wildem freiem Spiel, von rauen Improvisationen und feinen auskomponierten Passagen, von rockigen Riffs und zartem kammermusikalischem Jazz,

von anarchistischen Soli und solidem Ensemblespiel macht die Band so spannend. Die Rollen der Musiker sind nicht fixiert, so geben auch die Saxophone manchmal den Rhythmus an und Jim Black gibt melodische Impulse. Rosenwinkel gibt den Rhythmus an, entwickelt Melodien oder läst Geräusche entstehen.

Das Konzert von Human Feel im Stadtgarten war eines der interessantesten und innovativsten Konzerte des bisherigen Jahres und es gab in diesem Jahr schon viele gute Konzerte.

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