Meister der Improvisation |

Frank Gratkowski – Simon Nabatov – Dominik Mahnig

Text & Fotos: Uwe Bräutigam

Köln, 14.04.2017 | Frank Gratkowski und Simon Nabatov spielen im ersten Set ihres Konzerts als Duo und im zweiten Set mit Dominik Mahnig am Schlagzeug als Trio.

Frank Gratkowski und Simon Nabatov kennen sich nun seit 31 Jahren und fast ebenso langespielen sie in den verschiedensten Formationen zusammen. Die Vertrautheit der beiden Musiker miteinander ist zu spüren. Sie müssen sich nicht abtasten und sich aneinander gewöhnen. Sie kennen sich, sie hören aufeinander, sie spielen sich die Bälle zu, nehmen sich Raum und geben Raum wo es musikalisch Sinn macht.

Frank Gratkowski beginnt das Konzert mit dem Altsaxophon, langsame lyrische Linien. Simon Nabatov setzt seine feine Pianotöne wie Farbtupfer dazu, dann steigern sie sich und Gratkowski geht in ein längeres expressives Solo mit wilden Eruptionen über.

Nach diesem ersten Höhepunkt wechselt er zur Bassklarinette. Simon Nabatov setzt eine alte Bahncard ein, um die Saiten des Flügels und anschließend auch die Tasten zu bearbeiten. Nabatovs Spiel wird körperlicher, er schüttelt die Arme, spielt rhythmisch perkussiv, dann schnelle nervöse Töne.

Gratkowski wechselt nach diesem Part wieder zum Altsaxophon und arbeitet mit Luftgeräuschen und klackert mit den Klappen. Nabatov setzt das Klappern seiner Pedalen ein und erzeugt auf dem präparierten Flügel Klänge die an eine Schreibmaschine (die älteren Zuhörer kennen dieses Gerät noch) erinnern.

Als nächstes spielt Frank Gratkowsi Querflöte. „Ausnahmsweise, weil ich sie gerade dabei habe.“ Ein hauchzartes lyrisches Flötenspiel, das Nabatov zurückhaltend mit wenigen Tönen begleitet.

Als letztes Instrument im ersten Set setzt Gratkowski eine Klarinette ein. Die lang gehaltenen Töne, begleitet Nabatov an seinem präparierten Piano, dazu schlägt er mit einem Klöppel auf die Saiten. Gratkowski spielt ein Vibrato, das in ein Zwitschern übergeht.

Unglaublich welche Vielfalt an musikalischen Ideen aus den beiden Musikern sprudelt, die vor allem auch Sinn machen und miteinander korrespondieren.

Dominik Mahnig, der im zweiten Set die Band erweitert, war zum Zeitpunkt der ersten Begegnung von Nabatov und Gratkowski noch nicht geboren. Der aus der Schweiz stammende Schlagzeuger ist noch U 30. Mahnig spielt schon eine längere Zeit mit Nabatov in dessen Trio zusammen und hat auch 2016 die CD Equal Poise (Leo Records) mit Nabatov und Mark Dresser eingespielt.

Simon Nabatov und Dominik Mahnig halten intensiven Blickkontakt und hören sehr genau aufeinander. Trotz des großen Unterschiedes an Alter und Erfahrung bringt der junge Schlagzeuger sich selbstbewusst ein. Mahnig setzt allerlei Erweiterungen ein, wie leere Erdnussdosen. Aber nicht nur er, auch Nabatov schlägt die Saiten mit Rumbakugeln an, oder lässt sein metallisches Uhrband über Saiten und Tasten gleiten und Frank Gratkowski lässt sein Altsaxophon bei Bedarf klappern, tuten oder dröhnen. Auch als Trio schaffen es die Musiker weiterhin ungemein dicht zusammenzuspielen. Es entstehen immer wieder wunderschöne gemeinsame Improvisationen. Ein Konzert mit vielen magischen Momenten.

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