Step Across The Boarder |

Fred Frith Trio im Stadtgarten

Text & Fotos: Uwe Bräutigam

Köln, 17.02.2017 | Der britische Gitarrist ist mit seinem Trio auf großer Europa Tour und spielt im ausverkauften Stadtgarten Köln ein Konzert. An diesem Ort hat er viele Male im Laufe seiner langen Karriere gespielt, vor dreißig Jahren gab er sein erstes Stadtgartenkonzert.

Back to the roots, tritt er in intimer Triobesetzung auf. Er tourt mit Jason Hoopes am E-Bass und Jordan Glenn am Schlagzeug, beide leben, wie auch Fred Frith, in Oakland und sind Studenten von ihm am Mills College gewesen. Beide Musiker gehören zur kreativen Musikszene in der Bay Area und spielen dort in verschiedenen Formationen.

Das Trio arbeitet seit ein paar Jahren zusammen und hat ein Album mit dem Titel Another Day In Fucking Paradise herausgegeben.

Die Musik von Frith entzieht sich jeder Klassifizierung, Grenzüberschreitung ist sein Programm. Die Schweizer Dokumentarfilmer Nicolas Humbert und Werner Penzel wählten für ihren preisgekrönten Film über Fred Frith den treffenden Titel: „Step Across the Border“ (1990).

Fred Frith war schon in den 6oern in England in der Canterburyszene im Umkreis der frühen Jazzrocker von Softmachine aktiv. Er gründete die Progressive Rock Bands Henry Cow und Art Bear. Schon das erste Henry Cow Album Leg end, ist in keinem Genre unterzubringen, wir finden Elemente von Folk, Jazz, Avantgarde, Rock und vielem mehr. Frith wurde von Tony Williams Lifetime Band mit John McLauglin inspiriert, arbeitete eng mit John Zorn und mit Freejazzern wie Peter Kowald und Peter Brötzmann zusammen. Mit seinem jetzigen Trio behält er diese Offenheit bei. Der Beginn des Konzertes ist eine wilde Noise Attacke, Frith bearbeitet die Gitarrensaiten mit Hölzern und Schrauben. Jordan Glenn spielt aggressiv auf dem Schlagzeug und Jason Hoopes bringt jazzige, funkige Figuren ein. Nach einigen wilden Momenten wird die Musik sehr subtil und komplex. Auch hier setzt Frith viele erweiternde Techniken ein, mit einer Bürste oder mit einem Geigenbogen lockt er Töne aus der Gitarre. Fred Frith setzt jede Menge elektronische Verfremdungseffekte ein. So ist der Sound oft durch Loop, Verzerrung und Hall geprägt. Es gibt nahezu psychedelische Momente, manchmal ist es düster, dann klingt die Gitarre fast wie eine Orgel, oder er spielt mit einem Bottleneck, erzeugt kleine Melodieschnipsel, die an Surfgitarre und Hawaii erinnern. Jason Hoopes setzt als Gegenpol zur Melodik den Bass mit starker Verzerrung ein. Einige Ideen der Stücke finden sich in veränderter Form auf dem Album des Trios. Aber das Fred Frith Trio spielt improvisierte Musik, jedes Stück, jedes Konzrt ist eine Momentaufnahme.

Frith verarbeitet in der Musik des Trios einige seiner frühen Erfahrungen in England, wie einige traurige Wochen in einer Band mit dem psychisch kranken Syd Barret von Pink Floyd. Diese dunklen Seiten sind in der Musik des Trios auch zu spüren.

Das Trio tourt quer durch Europa und tritt am 18.3. noch einmal in NRW auf. Bei einem »European Jazz Legends«-Konzert am 18. März, um 20 Uhr, im Theater Gütersloh stellt Fred Frith nun ein neues Trio mit Lotte Anker am Saxophon und dem schweizerischen Schlagzeuger Sam Dühsler vor. Das Konzert wird vom WDR mitgeschnitten und soll auch als CD erscheinen. Save the date.

http://www.guetsel.de/content/guetersloh/15792/fred-frith-mit-neuem-trio-im-theater-guetersloh.html

www.fredfrith.com/